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Schwarz-weiss. Der Hautkrebs und alles andere

Teil 25


Das neue Normal



Hallo ihr Lieben, schön euch zu sehen!


Zuerst möchte ich voller Freude berichten, man nennt mich nun nicht mehr nur Mama, nein…seit zwei Wochen bin ich auch eine Oma.

Ich bin nicht in der Lage, Worte für diesen neuen Gefühlsklumpen in mir zu finden, und doch hat er soviel mit dem zu tun, worüber ich heute schreiben werde.


Das neue Normal und die Angst.


Vor meiner Diagnose war ich Hulk auf zwei Beinen.

Sinnbildlich dafür steht dieses Bild:



Ich habe mich 2015 nach der Geburt meiner Kleinsten entschieden, in sieben Wochen meinen lang ersehnten Führerschein hinzuballern und ca acht Wochen später mit diesem Gespann nach Frankreich zu brettern. An Bord fünf abwechselnd giggelnde oder nörgelnde Kinder und meinen wunderbaren Mann, der mich natürlich durch seine Ruhe und Teamwork unterstützt hat.

Ich lebte nach dem Motto „einfach mal machen, könnte ja gut werden!“

Außer auf Schiffen oder Flugzeugen, aber das ist eine andere Geschichte.


Als ich meine Diagnose bekam, schien nichts mehr verlässlich, vor allem nicht mein eigener Körper.

Mein Superwoman-Outfit zerbröselte in Minuten und ich wurde zum Würmchen, dass nichts und niemandem mehr traute…schon mal gar nicht mir selbst.

Ich entwickelte Ängste, die mir völlig neu waren.

Nicht nur die Angst vor dem Krebs wurde mein täglicher Begleiter, ich kriegte plötzlich Panik, wenn mein Mann mit den Kindern weg fuhr.

Menschenmengen ließen mir den Schweiß ausbrechen und vor meinem Rehaantritt hatte ich viele gute Gründe parat, nicht zu fahren.

„Anpassungsstörung“ heisst das dann beim Arzt oder der Ärztin.

„Beschissener Scheiss“ heisst das bei mir.

Im Laufe der kommenden vier Jahre holte ich mir ein bisschen Superwoman zurück. Aber eben nur ein bisschen, ein Cape vielleicht oder die roten Stiefel.

Der Rest ist nachwievor wie Pergament. Durchscheinend und leicht kaputtbar.

Ich hab angefangen, Situationen zu vermeiden.

„Schatz, fahr du ruhig“. „Ach, bleiben wir besser zuhause oder fahrt ihr mal allein.“

Die Fatigue und ihre Symthome machten lustig mit. Besonders fragil fühle ich mich in den Zeiten der Nachsorge mit der Stinkjacke auf den Schultern, wenn ich plötzlich etwas an mir entdecke, was da vorher noch nicht war, wenn mir eine Op bevorsteht oder ich sonstwie aus meiner Komfortzone muss.

Und dann werde ich stinksauer auf den Krebs. Auf das, was er mir genommen hat.

Mein Mann sagte neulich, „wir haben unsere Leichtigkeit verloren.“

So ist es.

Und das tut so weh.

Weil ich es nicht ändern kann, weil es jetzt zu meinem, zu unserem Leben gehört.

Und jetzt?

Ich mache folgendes, ich ziehe mir die roten Stiefel an, auch wenn sie drücken.

Ich fahre mit unserem dicken Blauen durch die Stadt und nehme die Miniparklücke, egal wer mir zuguckt.



Ich werde nächste Woche meinen Optermin ausmachen, obwohl ich mir ins Hemd mache.

Ich mache Arzttermine aus, die ich lieber vermeiden würde und frage meine Lieben, wie es ihnen geht, auch wenn die Antworten mehr das Pergament sichtbar machen als das Superwomancape.


Es hilft doch nix.

Das ist das neue Normal.

Meins, das meiner Familie und vielleicht auch deins?!

Lasst uns drüber reden.

Denn mehr Schultern können mehr schwere Jacken tragen.

Danke, dass ihr da seid.




1 comentário


Dany Flückiger
Dany Flückiger
04 de jun.

Liebe Katrin


du schreibst so wunderbar nachvollziehbar, ich sehe alles bildlich vor mir und fühle sogar deinen Schmerz oder deine Unsicherheit. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute für die anstehende OP und nur noch gute Resultate bei den weiteren Untersuchungen. 🍀


Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz 😘


Dany Flückiger

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