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MELANOM INFO DEUTSCHLAND - MID e.V.

Patientenorganisation für Betroffene von Hautkrebs
und deren Angehörige

Schwarz-weiß. Der Hautkrebs und alles andere


Teil 33


Es ist Januar 2026, eigentlich wollte ich meinen neuen Blogbeitrag damit beginnen, uns allen ein frohes neues Jahr zu wünschen!

Mache ich auch, aber eigentlich fühlt es sich banal unpassend an.

Aber der Reihe nach.


Im Dezember war ich in Vorfreude auf unseren Urlaub in Dänemark und fest davon überzeugt, die Weihnachtspause bringe mir die nötige Entspannung, um super knackig ins neue Jahr zu starten.

Wir verbrachten eine Woche inklusive Weihnachten als ganze Sippe in einem super Häuschen in Dänemark, kochen, spielen, Pool, Sauna und lange Spaziergänge am Meer, es war wirklich toll.

Hin fuhren wir wie früher zu meinen Kinderheimarbeitszeiten mit nem geliehenen 9-Sitzer, der aus seinen Nähten platzte vor Zeug und guter Laune, meine große Tochter mit Restsohn, Freundin und Hunden hinterher. Solltet ihr Gelegenheit und Muße haben, mal so ein Sippenevent zu wagen, ich kann es empfehlen.

Am Ende weiß man, was man hat oder wen man länger nicht sehen will…Spaß! Es war super entspannt und wir waren uns so nah, ich will keine Minute missen.

Dann kamen wir zurück und ich fiel irgendwie in ein körperliches und mentales Loch.

Jetzt, wo es drauf ankam, wieder fit in den Job zu starten, waren meine Batterien leer und das machte mir Angst.

Wer einmal mit Fatigue gelebt hat, fühlt es wahrscheinlich, sofort ist die Sorge da, dass der nächste große „Crash“ vor der Tüt steht oder man, noch schlimmer, schon mitten drin sitzt.


Und dann kam die Nachricht, auf die ich natürlich irgendwie gewartet hab, weil ich wusste, wie es um sie steht…Ann-Katrin ist tot.


Ich weiß nicht genau warum, aber das brachte mich total aus dem sowieso schon fragilen Gleichgewicht.

Ich weiss, dass es vielen von euch so geht und ein paar haben schon Worte dafür gefunden, als in meinem Kopf noch ein riesiger Knoten war.

Wie Katharina schrieb, „sie war eine von uns.“


Sie saß im gleichen Boot wie wir - und ging unter.


Ich habe Ann-Katrin in Stuttgart kennen gelernt, wir saßen beim Mittagessen zusammen und sprachen über unsere Liebe zu Frankreich, tauschten uns aus über Orte, gutes Essen, ein Gespräch voller Lebensfreude.

Das machte sie aus, ihre Austrahlung, ihr Lachen. Wenn sie den Raum betrat, nahm sie ihn ein, im schönen Sinne.

Als ihre Therapien anschlugen, freuten wir uns mit ihr, als es ihr dann plötzlich so schlecht ging, hofften und bangten wir mit ihr.

Vor ein paar Tagen fragte mich jemand, wie es mir gehe, ich sagte:“ geht so, wir haben wieder jemanden verloren.“

Darauf die Antwort:“ ich könnte das nicht, immer diese Schicksale und schlimmen Geschichten…“

Ich hab nicht drauf geantwortet, erst war ich sauer und dachte, das wäre ein Spruch fürs „Bullshit-Bingo“.

Aber dann wurde mir wieder klar, das ist gar nicht doof gemeint, es ist gesagt als Unwissender.

Wir, die Betroffenen und vielleicht auch unsere Zugehörigen Lieben, wir sind die Wissenden.

Wir wissen, die Frage, was man könnte und was nicht, stellt sich nicht!

Das Leben hat uns ein Boot vorbei geschickt und uns rein geschubst.

Ich persönlich wusste nicht mal, wie rudern geht, geschweige denn navigieren.

Aber zum Glück saßen da die anderen, die mir zeigten, wie es geht.

Heute zeige ich mit all den wunderbaren Menschen, die ich auf dem Boot kennengelernt hab, den Neuen, was sie brauchen, um weiter zu machen. Wir verteilen Schwimmwesten und zeigen neue Stege zum fest machen.

Und - das ist mir wichtig…wir verlieren jedes Jahr viele Menschen aus unserer Gruppe.

Jeder und jede fehlt uns, jedes Schicksal berührt uns.

Es ist nur so, dass man manchen näher kommt als anderen.

Man lernt sich kennen auf unseren Treffen, engagiert sich gemeinsam oder merkt beim schreiben online, dass es eine engere Verbindung gibt.

Für mich sind das die Begleiter:innen meiner ersten Stunden, die mir Mut machten, mir Fakten erklärten und mich trösteten.

Dann natürlich die, mit denen ich Teil verschiedener Projekte sein durfte, wie das Entstehen unseres Buches oder die Kampagne „ein kleiner Punkt“.

Die, die ich bei meinen viel zu seltenen Begegnungen mit der Yoko Essen treffe und natürlich unser MID Team….was hab ich bloß gemacht, bevor ich morgens mit den Damen aufstand und abends mit ihnen ins Bett ging??

Und so kommt es, dass einem eigentlich fremde Menschen mitten ins Herz wachsen und einen der Donner rührt, wenn sie gehen müssen.

Das ist schwer.

Aber nie käme ich auf die Idee, hier aufzuhören.

Ich lese die wundervollen Worte von Ann-Katrins Mann.

Und dann schüttel ich mich, nehme meine Mitstreiterinnen in Gedanken in den Arm und denke, jetzt erst recht!

Unsere Arbeit ist so wichtig.

Sie trägt jeden, der um Hilfe ruft.

Und sie trägt mich.



Alles Liebe, Katrin




1 Kommentar


Silke Wilhelmine
Silke Wilhelmine
vor 19 Stunden

Liebe Katrin, das hast du wieder so schön und treffend geschrieben. Es macht mich unsagbar traurig. Ich habe Ann-Katrin auch in Stuttgart kennengelernt. Sie hatte eine einzigartige positive Ausstrahlung. Man musste sie einfach mögen. Diese Krankheit ist unfassbar gemein und ungerecht.

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